Die Literette – Kurze Rückblicke auf Gelesenes und Gehörtes, ohne Inhaltsangabe. Für alle die wissen, worum es geht und mal nachlesen wollen, was andere dazu denken. Und auch für alle anderen. Ein kurzer und vielleicht auch emotionaler Rückblick auf Bücher, die mir so untergekommen sind.

„Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky
Ein Hörbuch so unglaublich großartig und traurig und schön.
Es beginnt damit, dass die Autorin beschreibt, ohne konkret zu beschreiben, was man so in einem Roman beschreiben kann. Sie gestaltet metaphorisch und liebevoll vorrangig die Figuren. Sie gestaltet diese aus, in dem sie über die gesamte Länge des Romans immer wieder ein bisschen von ihnen preisgibt. Durchweg auf den Punkt, immer zum passenden Augenblick und nicht zuletzt in einer Retrospektive, wenn auch nicht offensichtlich. Aber dass es eine ist, das wird dir als Leser/in dann erst zum Schluss richtig deutlich. Wunderbar und beneidenswert. Großartig.
- Es beginnt nach einiger Zeit schon mit diesem einen „My Girl Moment“.
Hattet ihr auch damals, als Wayda von der Treppe aus ihren Freund im Sarg liegen sah und feststellte, dass er ohne seine Brille gar nichts sehen konnte, diesen Moment? Den „My Girl Moment“? Ich hatte ihn. Und ich hatte ihn auch beim Hören dieses Buches.
- Worum es geht.
Es geht um Liebe und das Leben an sich und den Tod. Es geht um große und kleine Vorhaben und Lebensträume. Es geht um Beständigkeit und Freundschaft. Es geht um das Schicksal und was es mit uns macht oder nicht.
- Quinns Litaretten-Essenz:
In der Regel läuft das so: ich beende das eine Hörbuch, habe mir während des Hörens schon meine Meinung gebildet, beginne das nächste Hörbuch. Am besten gleich sofort und hoffentlich habe ich schon eines im Hinterkopf, das ich als nächstes hören möchte. Es muss ja weitergehen. Sagt man ja so, lebt man dann so.
Diesmal war es folgendermaßen: es ging nicht. Ich wollte mich einfach nicht verabschieden von diesen schaurig schönen, skurrilen Figuren. Von Selma und dem Optiker. Von Frederik und Luise. Sie hatten mich die letzten 90 Minuten zwar mit allem was sie sagten und fühlten zum Weinen gebracht. Ok, genau genommen wusste ich nicht: weine ich oder lache ich oder tue ich beides zeitgleich? Es war so wunderbar traurig.
Und da haben wir wieder eines dieser Bücher, die ich so liebe. Schöngeistige, nahezu poetische Sprachgebilde, die vielleicht für den ein oder anderen zu holprig sein mögen, bei mir aber mitten ins Herz treffen und nicht nur einen Punkt in mir ansprechen, sondern alles. Ja, ganz pauschal: alles. Ich kann also nicht genau sagen, was sich in mir genau angesprochen fühlte. Das ist ja auch völlig nebensächlich denke ich mir, denn es geht ja ums Fühlen an sich. Und das hat dieses Buch geschafft. Ganz leise und so unglaublich treffend und akzentuiert vorgelesen, dass jeder Dialog – sei er inhaltlich noch so trivial – dich zum Fühlen, im besten Fall zum Weinen bringt. Und im allerbesten Fall, da weinst du während du den Zeilen lauschst, ohne zu wissen, warum du weinst. Es geht nicht um das Warum, es geht um das Wie.
Mein zweites Jahreshighlight in diesem Jahr: 320 Seiten beziehungsweise 8 Stunden und 2 Minuten Liebe.
Drum liebe sich wer kann und lies dieses Buch, wer sich gerne einmal überall emotional angesprochen fühlen möchte.
Lest bitte dieses Buch.
Und ich möchte jetzt gerne jeden Brief des Optikers lesen, die liegen mir leider nur nicht vor.

